Chnutz vom Hopfen in Rüdesheim, Geschichten für Erwachsene, rund um den Wein
27. März 2014
Thema einer Gemeindebücherei ist eigentlich das Buch. Dieses war in der Zeit des Mittelalters nicht jedermanns Sache. Geschichten wurden erzählt. Auf Einladung der Gemeindebücherei Rüdesheim präsentierte Chnutz vom Hopfen im Pavillon des Weingutes Emmerich einen Abend voller Erzählungen. Er hat es sich zum Thema gemacht diese alte Tradition fort zu führen und ist in seinem seltenen Beruf Geschichtenerzähler.
Chnutz von Hopfen führte sein Publikum in die Welt der Sagen und Begebenheiten aus unserer Heimat bis hin zum Orient. Der Wein war an diesem Abend nicht ausschließlich Thema, motivierte aber die Gäste immer mal wieder etwas von diesem edlen Tropfen nachzuschenken. Der Wein spielte in den ersten beiden Geschichten aus der Heimat eine wesentliche Rolle. War der Stiefeltrunk von Hüffelsheim vielen Zuhören bekannt, staunten sie über den Abt vom Disibodenberg. Dieser rettete sein Leben, in dem er das ganze Weinfass leer trank, in das ihn zuvor die Bauern wegen seiner üblen Herrschaft eingesperrt hatten. Jeden Vortragsteil begann
Chnutz von Hopfen mit einem kurzen Gesang aus dem Mittelalter. Sobald er eines seiner Lieder, stimmsicher und raumfüllend vortrug, hatte er das Publikum auf seiner Seite, das gespannt auf die nächste Geschichte in dem gut besuchten Pavillon lauschte. Die nächste Geschichte führte in den hohen Norden. Chnutz von Hopfen erzählte vom Einochs, einem ärmlichen Bauern, der verspottet wurde, weil er nur mit einem Ochsen pflügte. Nachdem er lange Zeit den Spott der Dorfhonorationen über sich ergehen lassen musste, findet er einen Schatz, überlistet alle Spötter und fährt am Ende im Stile von Julius Cäsar mit einer Quadriga in triumphaler Haltung über seinen Acker. In der Erzählung vom fahrenden Studenten aus Paris, wird dieser von der gutgläubigen Witwe für einen Mann aus dem Paradies gehalten, wo sie ihren verstorben Wilhelm vermutet. Damit er Wein und den Sonntagsbraten ihrem Wilhelm ins Paradies bringen kann, gibt man ihm am Ende sogar noch flugs das einzige Pferd mit. In der letzten Geschichte irrt ein junger, verliebter Mann nachts durch den dunklen Wald um für seine Geliebte den „Liebesschatz“ zu holen. Dabei versteht er es das Publikum mit in seinen Bann zu ziehen, das die unheimlichen Stimmen des Waldes nachahmt.
Um welche Art von Schatz es sich hierbei handelt, wissen nur die Besucher des unterhaltsamen Abends. Diese spendeten reichlich Applaus für Chnutz von Hopfen, der die Kunst des Geschichtenerzählens wahrlich versteht.
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